Kommentar, Politik

Eine Frage der Orientierung

Das folgende ist ein offener Brief an Carsten Leinhäuser. Carsten und ich kennen uns, als ich in einem nicht ganz fairen Konflikt zwischen ihm und kath.net vermittelt habe. Er bloggt inzwischen weniger, dafür ist er auf Facebook sehr aktiv.

Lieber Carsten,

Danke für Dein Engagement. Auch wenn ich Deine Posts auf Facebook für teilweise extrem einseitig halte, und die Frage, inwieweit ein privates Profil privat ist, wenn man öffentlich politische Botschaften verbreitet – und, davon abgesehen, als Priester klar erkennbar ist, ist die eine Seite. Da die richtige Antwort zu finden ist sicher auch nicht einfach. Aber darum geht es mir nicht. Du hast den Regensburger Bischof für seine Predigt zum Thema Islam kritisiert. Das kann man machen.

Ich bilde den Beitrag hier ab, damit die Leser/innen einen Überblick haben.

Dabei nimmst Du den Islam über Nostra Aetate (NA) in Schutz und kritisierst den Marsch für das Leben, weil da AfD und andere Deiner Meinung nach Rechte unterwegs sind. Das kann man machen. Jetzt aber mal systematisch zur Sache…

Der Dialog mit dem Islam ist möglich, weil er wahre Elemente hat. Das ist nach NA: der Glaube an einen Gott , die Verehrung Mariens, das Fasten und das Gebet. Geschenkt. Also, bei allem, was dem Christentum widerspricht, gibt es doch Anhaltspunkte, über die man reden kann. Jetzt frage ich Dich – warum gilt das nur in die eine Richtung?

Toleranz gilt wenn, dann für beide Seiten. Oder gar nicht.

Ich bin ein großer Gegner von Beatrix von Storch. Das belegen meine Facebookaktivitäten und mein Beitrag auf Abgeordnetenwatch. Wenn es aber eine gemeinsame Sache gibt, dann kann man doch auch da einen Dialog anfangen – und kritisch sein. Das schließt sich nicht aus. Den Lebensschützern widerum indirekt vorzuwerfen, sie würden sich nicht um die Lebenden Notleidenden kümmern – oder zu wenig – ist ein typisches, schwaches pro-choice Argument und seit zig Jahren ausgelutscht. Erstens kann ich Dir auf Anhieb zig Gegenbeweise liefern. Zweitens hat gerade der Bischof, den du angreifst und kritisierst, Flüchtlingen in seiner Kathedrale Unterschlupf gewährt. Weil diese aber unkooperativ waren, wurde das wieder beendet. Drittens muss ich ganz ehrlich sagen, dass ich es sehr beschämend finde, dass ein Priester Argumentationsmuster zu übernehmen scheint, die von einer Organisation kommen, die mit der Tötung von Millionen Ungeborenen ordentlich Zaster macht. Vielleicht war Dir das nicht bewusst, das kann einfach auch mal so passieren.

Aber wenn man ein Anliegen teilt, muss man nicht gleich beste Freunde werden. Das gilt auch für den Marsch für das Leben. Geh mal hin, bevor Dir da jemand seine Meinung aufschwatzt.

Gottes Segen,

Simon

Cathman (Author)

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